Zu allererst sollte man sicherlich mal sagen, dass die HSE Mikkeli ein Tochtercampus der Helsinki School of Economics ist und leider nicht in Helsinki selbst ist. Mikkeli (www.mikkeli.fi) ist eine kleinere finnische Stadt und etwa 250 Kilometer nordöstlich von Helsinki in Mitten der großartigen finnischen Seenplatte. Nach Mikkeli zu gehen heißt zwar in einer kleinen Stadt zu sein, letztendlich kann man dort aber gerade im Sommer wunderbar die Natur genießen. Im Winter ist alles ein bisschen trist weil verschneit. Wer Schnee allerdings mag ist in Mikkeli auch im Winter sehr gut aufgehoben.
Von Mikkeli selbst kann man auch gut reisen. Wir sind zum Beispiel nach Helsinki, Turku, Tampere, Rovaniemi (Polarkreis), Tallinn, Riga, St. Petersburg und Stockholm gereist. Die Lage ist also kein Nachteil.
Ich habe mich dazu entschieden für 8,5 Monate nach Mikkeli zu gehen, vor allem um mein Englisch zu verbessern. Der komplett englischsprachige Campus ist dafür wunderbar geeignet. Ich war 8,5 Monate im Austausch, ein guter Zeitraum, denn nach 4 Monaten ist man noch nicht so wirklich drin. Nach den 8,5 Monaten fühle ich mich aber völlig sicher in Englisch. Trotzdem kommen und gehen die Austauschstudenten in der Regel 4 Monatsrhythmus.
Informationen und UnterstützungDie Universität ist sehr transparent, wahrscheinlich auch weil sie sehr klein ist. Der ERASMUS Koordinatorin begegnet man ständig auf den zwei Fluren der Uni. Unter 200 Mikkeli Studenten sind auch wir Austauschstudenten gut integriert. Die Homepage der HSE Mikkeli www.hse.fi/en/Mikkeli gibt einen ersten Eindruck von der Uni und den Lehrplan findet man dort auch. Als Austauschstudenten können wir aus den elective courses wählen. Ansonsten wird man durch die Austauschkoordinatorin gut mit Informationen versorgt, wenn der interne Buschfunk nicht eh schon alles verbreitet hat. Wenn man im Sommer nach Mikkeli kommt, also das Austauschstudium im September dort beginnt empfehle ich unbedingt schon Mitte August, also etwa zwei Wochen vorher anzureisen. Dann fangen nämlich auch die neuen Bachelorstudenten in Mikkeli an und die älteren Studenten organisieren eine Orientation Week bei der man dann gleich die neuen und alten Studenten gut kennenlernt. Kommt man im Januar nach Mikkeli sieht das genau anders aus. Es wird dann keine Orientierungsveranstaltung angeboten. Die ERASMUS Koordinatorin führt alle Austauschstudenten aber doch in einer Einführungsveranstaltung ein bisschen ein und mit dem jeweiligen Tutor hat man auch einen Ansprechpartner, was allerdings auf den Tutor ankommt. Wenn man sich aber erstmal mit den Finnen oder den anderen Austauschstudenten organisiert hat, läuft das alles perfekt. Die studentische Ansprechpartnerin für Austauschstudenten organisiert vielleicht einen Ausflug nach Helsinki. Die HSE Mikkeli ist im Grunde so gut organisiert, dass sich keine größeren verwaltungstechnischen Probleme ergeben. Und wenn doch wird alles sehr schnell und flexibel erledigt. Die Mitarbeiter sind sehr hilfsbereit. Ich habe an mein Auslandsstudium noch ein Auslandspraktikum in Helsinki angeschlossen.
Unsere Heimatuni hat mir angeboten, die ERASMUS Förderung weiterzuzahlen, auch weil mein Praktikum nicht bezahlt wird. Die Kommunikation mit der Heimatuni war dabei problemlos.
Unterbringung und InfrastrukturDie HSE Mikkeli arbeitet in Bezug auf die Unterkunft mit dem lokalen Studentenwohnheim MOAS zusammen. Euer Anmeldeformular geht also über die Austauschkoordinatorin direkt an MOAS. Auf der
MOAS-Homepage bekommt man auch einen kleinen Eindruck über die Apartments. Üblicherweise sind Austauschstudenten in MOAS 1-7 untergebracht. In MOAS 1 befinden sich die Einzelapartments, die auch im Vergleich zu den anderen Apartments, gut ausgestattet sind. Die anderen Apartments waren teilweise sehr spärlich und unkomfortabel eingerichtet. Ich hatte nicht mehr als einen Schrank, Bett und Schreibtisch, wobei die Matratze des Betts viel zu dünn und alt war. Allerdings passiert da im Moment etwas an der Uni, die die Möbel zur Verfügung stellt. Neue Austauschstudenten könnten also bessere Erfahrungen damit machen.
Die Universität ist in 10-15 Gehminuten entfernt.
Die Bibliothek braucht man für die Lehrveranstaltungen in der Regel nicht. Es ist trotzdem eine vorhanden, die aber im deutschen Vergleich eher nicht so gut abschneidet, weil nicht sehr viele Bücher vorhanden sind, die Auswahl aber durchaus gut ist.
Jeder Austauschstudent bekommt sofort einen eigenen PC-Login mit Internetzugang und eigener E-Mail.
Akademische AnerkennungDie Kurse an der HSE Mikkeli dauern jeweils drei Wochen mit drei Stunden am Tag (Vormittags- oder Nachmittagskurse). Man wählt nur einen Kurs in den drei Wochen und die Kurse werden von internationalen Professoren gehalten, die dafür extra nach Mikkeli anreisen. Dadurch ergeben sich durchaus spannende Kurse wie zum Beispiel Doing Business in Africa bei einem afrikanischen Professor, oder anderen Kursen mit amerikanischen, britischen und asiatischen Professoren. Am besten klärt man die Anerkennung der Kurse an den Lehrstühlen schon bevor man die Kurse in Mikkeli wählt. Für Außenhandel und Internationales Management bei Professor Zentes wird erfahrungsgemäß sehr viel anerkannt. Allerdings nur mit 2 Bonuspunkten.
Sprachliche VorbereitungDer Campus ist komplett englischsprachig und die Finnen sprechen in der Regel ein sehr gutes Englisch. Der Mikkeli Campus bietet daher eine gute Gelegenheit ein internationales Englisch zu verbessern. Ich habe vor dem Austausch einen Intensivsprachkurs Englisch am Sprachenzentrum in den Semesterferien gemacht, was durchaus sinnvoll war, allerdings auch etwa 100 Euro gekostet hat. Ich würde den Kurs trotzdem empfehlen.
In Mikkeli organisiert die Uni leider keine Finnischkurse. Wenn man dennoch Finnisch lernen möchte kann man am Mikkeli Community College (etwa wie eine Kreisvolkshochschule) an Grund- und Fortgeschrittenenkursen teilnehmen, die nicht viel Geld kosten (ca. 30 Euro). Im alltäglichen Leben braucht man allerdings nahezu kein Finnisch, weil die Menschen häufig auch Englisch sprechen können. Mit ein bisschen Finnisch hinterlässt man dennoch einen guten Eindruck.
KostenDie reinen monatlichen Bruttokosten für den Austausch sind für mich schwer zu berechnen, weil wir zusätzlich auch viel gereist sind. Das finnische Preisniveau ist aber deutlich höher.Ich schätze meine Ausgaben daher etwa auf 600 Euro und mehr (Reisen eingeschlossen).Mit einer Rabattkarte (für die man ein Passfoto braucht) bekommt man 50% Ermäßigung auf Zugtickets und den Bus.
Ansonsten zahlt man an der HSE Mikkeli keine Gebühren, aber einiges an Pfand (für ein Namensschild und eine Türkarte). Es empfiehlt sich also einiges Bargeld mitzunehmen.
Die ERASMUS Förderung kommt erst ziemlich spät. In den ersten Monaten muss man also alternativ schaun, wie man zurechtkommt.
Persönliche ErfahrungDas akademische Niveau der Kurse liegt deutlich unter den deutschen Kursen. Man muß zwar mehr machen, wie zum Beispiel Präsentationen halten, Teamarbeit, Aufsätze schreiben (lang und kurz) und ist dadurch gut beschäftigt. Das akademische Niveau ist aber niedriger als in Deutschland. Der englischsprachige Campus hat dennoch eine gute Reputation in Finnland und durch das HSE Label auch europäisch.
Mir hat der Austausch sehr viel gebracht. Ich habe viele neue Freunde aus der ganzen Welt gewonnen und tolle Kurse gehabt, die ich in Deutschland so nie belegen könnte. Das Modulsystem mit den internationalen Professoren ist deshalb Gold wert. Die Atmosphäre in Mikkeli ist sehr familiär und es geht dort (auch weil Mikkeli so klein ist) vor allem um die Leute. Man versinkt in Mikkeli eindeutig nicht in der Anonymität einer deutschen Massenuniversität. Außerdem bieten sich die Gelegenheiten zu ausgeprägtem Reisen, wie zum Beispiel neben den finnischen Städten (Helsinki, Rovaniemi/ Polarkreis, Tampere, Turku, Lahti), St. Petersburg, Tallinn (Estland), Riga (Lettland) und Stockholm (Schweden). Alle Reisen waren sehr toll und bieten auch eine gute Möglichkeit die anderen Austauschstudenten kennenzulernen. Darüberhinaus ist es unbedingt empfehlenswert über das Wochenende ein Ferienhaus zu mieten und sich dort mit Freunden einzuquartieren!
Ich wollte mit dem Austausch auch testen, ob ich später mal beruflich im Ausland arbeiten möchte. Nach meinem Auslandspraktikum in Helsinki plane ich schon das nächste, dann
aber in einem anderen, neuen Land. Das Austauschsemester hat die Lust in mir geweckt.
Dem Leser wünsche ich in Mikkeli genauso viel und vielleicht sogar noch mehr Spaß als ich dort hatte! Viel Glück!
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